Freitag, 29. August 2008

Bibliothek für unterwegs, Geschäftsmodell geheim

Sony erfindet das E-Book neu. Mit dem Reader PRS-505 will der Konzern ganze Bibliotheken überflüssig machen. Für das Gerät, das mit elektronischer Tinte (E-Ink) arbeitet, hat Sony drei Zielgruppen definiert. Vielleser gehören auf jeden Fall dazu. Außerdem Studenten, die so auf teure gedruckte Fachliteratur verzichten können, die ohnehin schnell veraltet, und außerdem noch Vielreisende.

Das technische Prinzip ist eigentlich ganz einfach. Mit elektrischer Spannung werden schwarze oder weiße Kügelchen dazu gebracht, Buchstaben darzustellen. Strom verbraucht das Gerät kaum. Sony lud zur Hands-on-Experience auf den Messestand.


Nach der kurzen Einführung, bei der die Produktmanager darauf hinwiesen, dass das Erlösmodell für das Gerät erst auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben werden soll, konnten wir das Gerät endlich in die Hand nehmen. Und in der Tat, das Leseerlebnis ist besonders. Keine Spur von dem von herkömmlichen Bildschirmen bekannten leichten Flimmern.


In der kurzen Zeit konnte ich leider keinen Eindruck gewinnen, ob ermüdungsfreies Lesen tatsächlich möglich ist, aber das Display machte einen scharfen, klaren Eindruck. Woran ich mich gewöhnen musste: ich brauche nicht mehr auf Seiten nach unten scrollen, sondern kann einfach mit einer Taste umblättern. Ein voll geladener Akku soll zum umschlagen von rund 7000 Seiten ausreichen. Auf den 192 Megabyte großen Speicher können rund 160 Bücher gespeichert werden. Zusätzlich kann der Speicher mit SD- oder Memory-Stick-Karte bis zu 16 Gigabyte erweitert werden. Das kann nötig werden, wenn das Gerät auch mit Hörbüchern gefüttert wird. MP3-Dateien sind für den Reader kein Problem. Als Formate steht neben RTF, TXT und PDF auch E-Pub zur Verfügung, eine Open-Source-Lösung, die der Vielfalt der unkompatiblen E-Reader-Software ein Ende machen soll.


Die Erfolgsaussichten von Sony sind zumindest zweifelhaft. Es gab schon viele Vorstöße mit E-Readern. Zwar hat sich die Qualität verbessert, auch gibt es inzwischen mehr digitalisierte Bücher, aber auch Amazons Kindle dümpelt mit seiner allerdings proprietären Softwarelösung noch dahin.


Die Idee des E-Books, ganze Bücherregale überflüssig zu machen ist dagegen gut. Vielleicht ist es eines dieser Produkte, die ihrer Zeit voraus sind. Wer weiß, wenn es die elektronische Tinte irgendwann auch in Farbe gibt, hat das Gerät auf jeden Fall das Potenzial, einen Massenmarkt zu erobern.

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