Mittwoch, 28. Januar 2009

Standpauke für Andrea

Mitten im Kongresszentrum in Davos gibt es eine "Executive Lounge". Sie sieht eigentlich genauso aus wie alle anderen Verpflegungsstände, außer dass die Bestuhlung etwas ältlicher ist und Teppich ausliegt. Besonders ist sie trotzdem, weil sie an eine Art Innenraumbalkon grenzt, der etwas versteckt liegt. Die einzige Möglichkeit, mittendrin zu sein, und nicht dabei. Viele Leute finden nicht hierher. Und wenn, dann wollen sie meist ein wenig Ruhe haben.

 

"Andrea, you are manipulated by your team." Ganz in der Ecke brüllt ein rundlicher Blondbeschopfter in sein Mobiltelefon, deutscher Akzent, vielleicht auch Österreicher. Er sitzt schon einige Minuten dort, bislang hatte er ruhig telefoniert. Damit ist es jetzt vorbei. Es ist 13.10 Uhr und nun folgt ein Praxisbeispiel aus der Mitarbeiterführung. "Andrea", brüllt er, die Dämpfung setzt erst in der letzten Silbe ein. "You are always dealing with so much rubbish from your team. Andrea!"

 

Offensichtlich ist Andrea eine Führungskraft, die wiederum eine blonde, rundliche Führungskraft hat, der sich gerade in Davos mächtig über sie aufregt, weil sie ihr Team nicht im Griff hat.

"Andrea! You let them influence your own thinking. That is the issue. We have to get our things done."

 

Ein wenig Ruhe, vermutlich spricht Andrea.

 

"Andrea - paranoid; totally unfair, totally; you are a victim of many years of mismanagement and misleadership. I have been talking about this with you for years. I have discussions that are outrageous. Give me a break, I am fed up. I am not going to continue the debate. We really have an issue, absolutely."

 

Es ist 13.30 Uhr. Ich muss zur nächsten Veranstaltung. Der Blonde hat sich immer noch nicht beruhigt und brüllt weiter auf Andrea ein. Für sie hoffe ich das Beste. Sven Clausen

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