Der Moderator trägt ein Hemd aus Seegrass, dass, wie er sagt, sich besser anfühlt als alle seine Hemden vorher. Er heißt Carl Pope und ist Chef der Umweltschutzorganisation Sierra Club. Die meisten der etwa 1000 Gäste, die zur Eco Chic Modenschau ins American Museum of Natural History gekommen sind, scheinen ihn zu kennen. Nur die Designer, die gleich ihre Enwürfe zeigen werden, kennt keiner, da aber alles öko ist, wie das Motto verspricht, ist das ja auch egal.
Die Atmosphäre stimmt, man sitzt vor naturgetreu nachgebauten Haifischen und unter einem riesigen Blauwal, der von der Decke der großen Halle des Naturkundemuseum hängt.
Auf den Fernsehern laufen Werbespots von großen Autos, und im Programm steht der Eco-Living-Tipp "Drive less". Stört aber keinen. Mercedes Benz ist schließlich Hauptsponsor der New Yorker Fashion Week, die am heutigen Freitag startet. Und wer die Möglichkeit hat, bei 28 Grad und Dauerschwüle im klimatisierten Fahrservice chauffiert zu werden, der nutzt sie selbst dann, wenn halb Manhattan wegen eines Konzerts gesperrt ist, man also zu Fuß überallhin schneller gewesen wäre.
Aber auf der Straße ist es hektisch und heiß, viele rasen nach Hause, um die Eröffnung der Football League nicht zu verpasen oder den Parteitag der Republikaner. Von Fashion ist im Strassenbild wenig zu sehen, denn der Amerikaner trägt - unäbhängig von seinem Body-Mass-Index und möglicher Bindegewebsprobleme - bei solchen Temperaturen Shorts.
Aber dafür verspricht ja die Eco Chic Schau zumindest schick zu werden. Im Programmheft findet sich zwar auch kein Hinweis auf mögliche Designer, aber wenigstens verrät Comoderatorin Angela Lindvall, ein Victorias Secret Model, dass ihr grünes Minikleid vor einigen Saisons von Donna Karan entworfen – und nun von ihr abgeschnitten wurde. "Upcycled" nennt sie diese moderne Form des Recyclings.
Und dann geht die Show endlich los, begleitet von großem Beifall und Gejohle des Publikums. Das gilt allerdings weniger der Mode - die auch am Prenzlauer Berg in Berlin oder in der Hamburger Schanze geschneidert worden sein könnte - als den Models. Sie scheinen allesamt berühmt zu sein, zumindest in USA. Die meisten haben eher normale Figuren und sind auch im Schaulaufen nicht sehr geübt. Das macht die Veranstaltung irgendwie selten charmant.
Immerhin strahlen alle um die Wette, und am hellsten strahlen Theodora Richards und Lauren Hutton, die einzigen auch für Europäer erkennbaren Stars. Die Schauspielerin hat offensichtlich viel Spaß mit dem ökologisch einwandfreien Goldglitzermantel über den Laufsteg zu spazieren. Ein kurzer Auftritt, aber immerhin. Für den guten Zweck präsentiert am Ende auch das farbige Topmodel Alec Wek eine Art Damastjacke mit ungewöhnlicher Passform.
Und nach knapp zehn Minuten ist die Eco Chic Show vorbei. Statt der Designer laufen die Öko-Models nochmals gemeinsam über den Laufsteg. Die Zuschauer bekommen noch eine etwa vier Kilo schwere Goodiebag voller umweltbewußter Drogeriewaren diverser Sponsoren in die Hand gedrückt. Und gehen dann mit gutem Gewissen zurück zu ihren klimatisierten Großraumwagen.
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