Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin ist nicht gerade für mangelndes Selbstbewusstsein bekannt. Eine Kostprobe gab er bereits am Mittwochnachmittag als er vor großem Auditorium den Computer-Unternehmer Michael Dell vergleichsweise rüde abkanzelte. Der US-Amerikaner hatte sich erkundigt, wo das Riesenreich möglicherweise noch Hilfe beim Aufbau der IT-Infrastruktur brauchen könne. Russland benötige keine Kolonialhilfe, beschied Putin daraufhin vor Hunderten Zuhörern dem Milliardär.
Am Abend wurde Putin dann noch deutlicher - zumindest symbolisch. Die Leitung des Forums hatte ausgewählte Gäste kurzfristig zu einem Treffen mit dem Ministerpräsidenten ins Hotel Seehof geladen. Um 21.30 Uhr sollte es losgehen. Alle waren da - nur einer blieb fern: Putin. Für das so sehr auf Harmonie und unerschütterlichen Dialog gewöhnte Davos-Publikum ein ziemlicher Stilbruch.
Am Donnerstagmorgen immerhin gab es die nächste Chance auf ein sanfteres Miteinander. Für 10 Uhr hatten die Organisatoren des Forums eine Diskussion mit einem exklusiven Zirkel von rund 70 Vorstandschefs internationaler Unternehmen angesetzt. Die waren auch mehr oder weniger alle pünktlich - nur Putin fehlte. Um kurz nach halb elf dann betrat er schließlich doch den Saal. Sämtliche Topmanager hatten sicherheitshalber ausgeharrt. Mit dem Chef eines der Zukunftsmärkte wollten sie es sich dann doch lieber nicht verscherzen. - Sven Clausen
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