Sonntag, 1. Februar 2009

Bonität für Weinkenner

Seinen Groll auf die Ratingagenturen kleidet Daniel Bouton in ein dem Ambiente durchaus angemessenes Bild. Die Agenturen würden, so der Chef der französischen Großbank Société Générale beim Mittagessen in kleinem Kreis, ein ähnlich unangemessenes Bewertungssystem wie der Weinkritiker Robert Parker verweden. Der ordne jeden Wein in einer Skala von 0 bis 100 Punkten ein. Die Rating-Agenturen suggerierten mit ihrem überschaubaren Buchstabensystem eine ähnliche Souveränität.

Schon Weinen sei so aber nur schwer gerecht zu werden, so der Franzose. Zwischen Staatsanleihen und komplizierten strukturierten Produkten lägen aber solche Welten, dass sich die Verwendung desselben Bewertungssystems eigentlich verbiete. Das könne nur schief gehen. Beim Wein immerhin kommt er auch mal ganz ohne Rating aus. Zum Mittagessen lässt er sich von der Kellnerin den Rotwein des Hauses einschenken - ohne vorher auch nur einen Blick auf das Etikett zu werfen. - Sven Clausen

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